Das Ende einer Ära

Ach, schön war's ....

Das Ende einer Ära

„Frankenstein Junior“ war unser erster Film, mit dem wir am 24. September 1976 das Wertheimer Roxy Kino wiedereröffneten. 1954 erbaut, hatte es bereits mehrere Betreiber gesehen, bis es wieder geschlossen wurde. Damit teilte es das Schicksal zahlreicher Kinos, die zu Zeiten gebaut wurden, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte und 800 Millionen Bundesbürger pro Jahr in die Kinos strömten. Das wiederum rief junge, filmbegeisterte Enthusiasten auf den Plan, die solche Kinos übernahmen und mit einem abwechslungsreichen Programm zu neuem Leben erweckten. Für den Preis von zwei freien Tagen im Jahr (Heiligabend und Silvester) überstanden wir auch alle Krisen von Video über das Privatfernsehen und illegale Downloads aus dem Internet . Die beiden Corona-
Lockdowns waren unsere ersten Monate ohne Kino und gleichzeitig ein radikaler Einschnitt in die deutsche Kinolandschaft. Nicht nur, dass bestehende Streaming-Anbieter massive Abo-Zuwächse zu verzeichnen hatten, auch Filmverleiher ließen sich das Geschäft nicht entgehen und bieten ihre Filme nun – zum Teil exklusiv, zum Teil recht kurz nach Kinostart – auf eigenen Plattformen an. Dass das zu sinkenden Besucherzahlen führt, liegt auf der Hand.
Die Filmverleiher wiederum versuchen das durch restriktive Vorgaben von Laufzeit und Anzahl der Vorstellungen zu kompensieren. Die Vielfalt des Angebots leidet bei drei Leinwänden zwangsläufig, was die Besucher nicht akzeptieren und dorthin gehen, wo der Film ihrer Wünsche gezeigt wird. Durch massiv steigende Lebenshaltungskosten wird am Freizeitbudget gespart, und auch die Kinos werden hart getroffen: Energie, Personalkosten, Waren – alles verteuert sich extrem, und anders als in vielen Branchen können die Preissteigerungen nicht auf die Eintrittspreise umgelegt werden. Auch wenn Covid momentan kein Thema ist, im Herbst wird es wieder eines sein und schon vor dem Ukraine- Krieg, der rasanten Inflation und explodierenden Energiepreisen sagten Analysten unserer
Branche gut drei Jahre voraus, bis das Vor-Coronaniveau wieder erreicht wird. Dann wäre ich aber 70 Jahre alt mit einer ungewissen Perspektive für die Zukunft unserer Branche. Um  einen Schlusstrich zu ziehen, wenn man es kann und nicht wenn man es muss, haben wir uns entschlossen, das Roxy nach der Sommerpause nicht wieder zu eröffnen und Servus zu sagen. Da wir jetzt im Miltenberger Schloss-Theater aushelfen, werden wir uns weiterhin sehen, schließlich wollen Sie ja ihre noch gültigen Roxy-Gutscheine einlösen, was in Miltenberg weiterhin möglich ist.

Auf Wiedersehen
Wolfgang und Gabi Gebauer